gaenseblumen

Zu unserem Häuschen gehört ein Garten, den wir alle sehr lieben, vor allem im Sommer. Leider bin ich kein leidenschaftlicher Unkrautjäger, so dass neben den Gartenblumen auch interessante Dinge vor sich hinwuchern, bei denen ich öfter mal ein Bestimmungsbuch zu Rate ziehen muss. Unsere sehr ordentlichen Nachbarn haben einen sehr ordentlichen Garten, in dem man ohne weiteres auf dem Boden eine OP durchführen könnte, so klinisch rein schaut es bei ihnen aus. Wir hingegen favorisieren das Modell "naturnaher Garten" mit Klee, Löwenzahn, Akelei, Sauerampfer, Raute, Spitzwegerich, Gänseblümchen und Co. Aber - und das besänftigt mein schlechtes Gewissen in Sachen Gartenbau: in unserem Garten fühlen sich sehr viele Tiere sauwohl (von der dicken Hornisse mal abgesehen): Igelchen, Grünspechte, Rotkehlchen, Tagpfauenauge und sogar Schmetterlinge mit so klangvollen Namen wie Jakobskrautbär. Ist doch klar, dass man solch ein Naturparadies und Anschauungsobjekt für unsere Kinder nicht einfach zerstören kann, nur weil man einen ordentlichen Garten haben möchte ...
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Okay, sie sind sehr rot - aber ich liebe sie ;-) ...
Na ja, so ungefähr - letztes Jahr mitten im Juli hat mein Mutterschutz begonnen, und seitdem ist die Zeit so ratzfatz herumgegangen, dass mir schwindelig ist, wenn ich darüber nachdenke, dass es der Rest meines Lebens ebenso tun könnte. Ich habe darüber gemutmaßt, ob es anstrengender sein könnte mit drei Kindern zu Hause als mit zweien und Vollzeit-Job, und als kurze Zwischenbilanz sage ich mal: Nein, ist es nicht - es ist anders. Die ersten Monate mit Baby waren nicht einfacher, aber irgendwie auch entspannter, weil ich wusste, ich muss die Kleine diesmal nicht nach zwei Monaten wieder stundenweise verlassen, um zu arbeiten. Mit Frühlingsanfang und Beginn der Gartensaison wird das Leben gerade so richtig schön - so ungefähr, wie man sich das ausmalt, wenn man im Büro sitzt und an seine Kinder denkt: mit Blumenpflanzen, Wasserspritzen, Geschichten im Gras, gesammelten Spinnen, Regenwürmern und Tausendfüßlern ...
Die unschönen Seiten des Daheimseins sind Spül-, und Waschmaschine, Wischeimer, Fensterputzer und Magen-Darm-Infekte, aber alles in allem genieße ich es gerade, nicht ständig den Spagat zwischen Kitabringen, Arbeiten bis 16 Uhr, wieder Kita und stressigem Abend, in dem der Haushalt und die Kinder laut schreien "Kümmere dich um mich!" bewältigen zu müssen. (da der Haushalt nur stumme Schreie sendet, wurde und wird er regelmäßig vernachlässigt)

Das alles ändert sich ab Herbst vermutlich wieder, aber wenn ich eines weiß, dann das: Ich möchte nicht zurück in dieses Hamsterrad aus Vollzeit-Berufstätigkeit und sogenannter "Qualitätszeit" zwischen 16.30 Uhr und 20 Uhr - denn Kinder kann man nicht wie Spinning oder Joggen in einen Terminkalender quetschen, und ich meine Beziehung zu ihnen auch nicht. Bleibt nur die Frage nach dem dritten Weg: wie kann der aussehen? Wie genug Zeit für die Kinder bei gleichzeitigem geistigen Input durch Berufstätigkeit und einem menschenwürdigen Gehalt? Oder muss ich am Ende - wie so viele Mütter hier vor Ort - trotz abgeschlossenem Studium und 10 Jahren Berufserfahrung im Edeka an der Kasse oder zwischen den Regalen hocken, um mit 400 Euro das Haushaltseinkommen aufzubessern? Nach meinem jetzigen Traumjob befragt hätte der nicht mehr als 20 Stunden, wäre ordentlich bezahlt, würde genau das aufgreifen, was ich bislang getan habe, dazu noch unbefristet und mit einem / einer Vorgesetzten, die keinen Nervenzusammenbruch bekommt, wenn mein Kind im ersten Kita-Jahr krank ist. "Das Leben ist eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt!" - so man aber Süßes generell mag, kann man doch eigentlich gar nicht so richtig enttäuscht werden, oder?
Mohn

So schön kann Mohn sein - ganz ohne schwarzen Anzug ... (nein, ich bin nicht bekifft)
+ Auf dem Weg in die nahe gelegene "Groß"stadt kam mir heute morgen ein Bus entgegen, dessen Anzeigetafel offenbar defekt war - oder aber der Busfahrer kurz vorm Burnout. Es stand nichts anderes als "Bitte nicht!" oben, dort wo sonst Buxtehude, Hiddenhausen oder JWD steht.

+ Im Wartezimmer meiner Hausärztin war es voll, wie immer, und wie fast immer suchte auch ein Pharma-Vertreter die Ärztin auf. Diesmal von Ratiopharm, und die scheinen sich Sparen jetzt auch auf die Fahne ihrer Mitarbeiter geschrieben zu haben, denn besagter Vertreter trug seine Medikamentenproben in einer Ratiopharm-Papiertüte mit sich herum.

+ Auf der Rückfahrt über die Autobahn war ich der festen Überzeugung, einen Menschen jenseits der 60 vor mir zu haben, denn wer sonst nutzt mit 74 km/h die linke Spur? Dem war aber nicht so - es handelte sich um eine junge Frau, ca. 22, die sich gerade aus einer Thermoskanne Kaffee in einen Becher goss - auf der linken Spur, auf der Autobahn. Ich dachte bislang, das können nur Brummi-Fahrer.

Da höre ich doch heute morgen auf dem Weg zum Großeinkauf Milvas "Hurra, wir leben noch" in der Werbung. Mal abgesehen davon, dass ich genau das an manchen Abenden mit drei Kindern auch denke und Milva in den 80ern zu Papas Lieblingssängerinnen gehörte, mit der ich unangeschnallt auf dem Rücksitz unseres Opel Kadett aufwuchs, finde ich sehr witzig mutig, dass SinnLeffers mit dieser Melodie wirbt, das Modehaus, das nach einem neunmonatigen Insolvenzverfahren diese Woche wieder in die Eigenständigkeit überführt wurde. Im Verlauf der Insolvenz trennte sich Sinn Leffers übrigens auch von der Hälfte seiner Filialen und einem Drittel seiner Mitarbeiter. Man kann der Modekette jedenfalls nicht vorwerfen, nicht offensiv mit ihrer Vergangenheit umzugehen ...
Komisch fühlt es sich an mit nur einem Kind zu Hause. Die beiden "Großen" sind heute morgen mit ihrer Kita an die Nordsee gereist und bleiben dort bis Samstag. Ich habe mich sehr schwer getan, sie gleichzeitig ziehen zu lassen, aber es war Paulas Herzenswunsch, zusammen mit Jonathan zu fahren - und bis zum Tagesende hat niemand (von den Kindern) geweint. Ich allerdings hatte leichte Anlaufschwierigkeiten und bin im Leerlauf durch die Wohnung geirrt, aber gegen Nachmittag hatte ich mich dann an den Luxus gewöhnt, habe Parmesanbrot gebacken, zusammen mit Kai das Haus und den Garten entrümpelt (das darf man NIE mit Kindern tun, die können ALLES noch gebrauchen ...), mitten am Tag ferngesehen und Schokolade gegessen - hmja, und eigentlich würde ich jetzt durch die Kinderzimmer gehen und schlafende Köpfchen streicheln. Stattdessen vielleicht mal an den Kopfkissen schnüffeln ... noch fünf Tage ...

Dame und Herr vor Reiseantritt
muss i denn
"Solange wir die Todesanzeigen noch lesen können, geht es uns eigentlich doch ziemlich gut!" (sprach mein Vater eben am Telefon, als ich ihn fragte, wie es ihm so geht ...)
Irgendwie höre ich es immer wieder, von Freunden, Bekannten, Verwandten, diese fast schon phrasenartig vorgebrachten Sätze "Ich muss mich selbst finden!", "Ich brauche Zeit, wieder zu mir zu finden!" etc ... Heute im Halbschlaf dachte ich darüber nach, dass wir offenbar umgeben sind von entmannten, personenlosen Selbsten (Selbsts?), vielleicht schweben sie an der Zimmerdecke, vielleicht weiter oben am Himmel, und hier unten die Menschen, verzweifelt auf der Suche nach ihrem Selbst. Manche laufen einen Marathon, um sich selbst zu finden (aber ob das Selbst so schnell ist, wage ich zu bezweifeln), manche ziehen sich ins Kloster zurück und sind ganz still, vielleicht ist das Selbst ja lärmempfindlich? (ob das dem Selbst aber nicht auf Dauer zu ruhig ist?) und manche sind so mit der Suche nach dem Selbst beschäftigt, dass sie alles andere, Freunde, Verwandte, Familie, Bekannte und Beruf aufgeben, um wieder vollständig zu werden. Ich für meinen Teil denke, dass einem das Selbst nicht entweichen kann, egal wie schräg man gerade drauf ist - Stress, Wut, Traurigkeit und auch das Gefühl, zu keinem Gefühl mehr in der Lage zu sein, sind ein Teil des Selbst. Lustigerweise war ich in früheren Zeiten auch viel öfter auf der Suche nach meinem Selbst. Seit ich ständig von kleinen Wesen umgeben bin, behalte ich das Selbst aber besser im Auge - und das Erstaunliche ist: Ich habe mein Selbst erst durch meine Familie so richtig gut kennen gelernt, meine Grenzen, meine Möglichkeiten, meine Fähigkeiten und meine Beschränktheit. In diesem Sinne: sucht das Selbst nicht allein, sondern mit anderen, die haben nämlich manchmal die besseren Spiegel als man selbst ;-) ...
einem das jüngste Kind beim Stillen im Eifer des Gefechts mit seinen rattenscharfen Zähnchen so doll in die Brust beißt, dass es blutet, wenn sich die Brust trotz aller Vorsichtsmaßnahmen so schmerzhaft entzündet, dass man den sonntäglichen Notdienst in Anspruch nimmt, wenn das vom Notdienst verordnete Breitbandantibiotikum zwar im Darm sein Unwesen treibt, nicht aber dort wirkt, wo es helfen sollte, wenn das kleinste Kind zu allem Überfluss noch um 05.45 Uhr aufsteht, darf man da ein klein wenig ein Montagmorgen-Muffel sein?